Verletzte durch friedlichen Protest – Dresden-Gedenken 2013

Planmäßig trafen gegen 18:00 Uhr die mit Bussen und Pkw angereisten Personen am Bahnhof in Dresden-Strehlen an und wurden durch die von der Organisationsleitung eingesetzten Personen in Empfang genommen und entsprechend instruiert. Nachdem der Lautsprecherwagen über die Oskarstraße zur Gruppe gestoßen war und auf dem Bahnsteig noch auf eine weitere S-Bahn mit anreisenden Teilnehmern gewartet wurde, trat die Versammlungsleitung mit dem Einsatzleiter der Polizei in Verbindung. Diese offerierte zunächst allerlei abenteuerliche Planspiele. So sollten die angereisten Teilnehmer in kleinen Gruppen zum Versammlungsort geführt werden. Da jedoch die Situation rund um den Bahnhof-Strehlen bereits ausreichend bekannt war, wurden die Beamten mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass sich sämtliche Teilnehmer ausschließlich in einer geschlossenen Gruppe zum Versammlungsort bewegen werden und sich nicht, wie zunächst durch die Polizeiführung vorgesehen, in kleine Gruppen teilen lassen werde. Weiterhin wurde darauf verwiesen, dass sich die Gruppe umgehend nach Eintreffen der noch fehlenden S-Bahn in Bewegung setzen werde, welche auf Betreiben der Deutschen Bahn – mutmaßlich in Zusammenarbeit mit dem Führungsstab der Polizei – ohne ersichtlichen Grund in Dresden-Reick festgehalten wurde. Während die S-Bahn sich nun wieder in Bewegung setzte, wurde von Seiten des Einsatzleiters die nächste taktische Maßnahme an die Versammlungsleitung herangetragen. Diese besagte, man werde die Gruppe der Versammlungsteilnehmer aus Sicherheitsgründen über die Lennéstraße in das Dynamo-Stadion führen, um eine vermeintlich günstige Gelegenheit zum Weitermarsch abzuwarten. Diese Finte war gleichermaßen offensichtlich und lächerlich, sodass sie umgehend abgelehnt wurde.

Unverzüglich nach Eintreffen der noch fehlenden Teilnehmer setzte sich die Gruppe, bestehend aus schätzungsweise 400 Teilnehmern, in Bewegung. Nach aktuellen Informationen befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits rund 500 Gegendemonstranten, darunter auch kriminelle Gewalttäter, in unmittelbarer Nähe auf der Wiener Straße und stießen weiter ungehindert in Richtung unserer Gruppe vor. Trotz dieser angespannten Situation hatte die Polizei keine anderen Sorgen, als dass Fahnen eingerollt und Fackeln gelöscht werden sollten. Durch die hierbei erzwungenen Zwischenhalte und ein durch die eingesetzten Beamten bewusstes Verzögern gelang es gegnerischen Kräften, sich zu massieren und am Lennéplatz eine größere Blockade zu errichten. Die Spitze unserer Gruppe, welche über Oskar- und Tiergartenstraße in Richtung des Versammlungsortes geführt wurde, erreichte nun den Lennéplatz. Zunächst verfolgte die Polizei die Taktik, uns zügig an der Blockade vorbei zu führen. Während dieses Manövers, bei dem die Polizei tatsächlich auch Pfefferspray einsetzte, hagelte es plötzlich Flaschen und Steine aus den Reihen der „friedlichen“ Blockierer. Es gab Verletze und eine Scheibe des Lautsprecherwagens wurde durch einen Steinwurf zerstört. Anstatt nun, wie zu diesem Zeitpunkt noch möglich, unsere Gruppe zügig weiter über die Parkstraße aus der Gefahrenzone zu führen, stoppte die Polizei durch Gewaltanwendung die vorderen Teilnehmer und ließ es zu, dass immer mehr Gegendemonstranten unsere Gruppe umstellten. Wir saßen fest.

Wie bereits am Bahnhof-Strehlen, suchte auch nun die Versammlungsleitung umgehend den Kontakt zum Einsatzleiter der Polizei, welcher erst auf mehrmaliges Drängen hin greifbar war. In bekannter Art und Weise wurden nun die unterschiedlichsten Aussagen aus dem Sammelsurium der Hinhaltetaktiken herausgekramt. Man warte auf Befehle, man warte auf Verstärkung um zu räumen. Parallel wurde es der Versammlungsleitung untersagt, das Lautsprecherfahrzeug einzusetzen und die eigenen Teilnehmer über den aktuellen Stand zu informieren. Um die Gesundheit der Teilnehmer durch mögliche Polizeigewalt nicht weiter zu gefährden, wurde diese Maßgabe auch zunächst eingehalten. Immer weiter flogen Flaschen und Steine in die Reihen der Teilnehmer, ohne dass die Polizei dagegen einschritt. Als Antwort auf die Aufforderung der Versammlungsleitung, gegen diese Straftaten vorzugehen, verkündete der zuständige Einsatzleiter, er könne zu diesem Zeitpunkt keine Straftaten feststellen und ohnehin mangels detaillierter Täterbeschreibung nicht tätig werden. Weiter hieß es, es gelte ab nun der Befehl, die hier eingekesselten Versammlungsteilnehmer bis 23 Uhr „statisch“ zu halten, was nichts anderes als „weiter festhalten“ bedeutet.

Angesichts dieser Zustände wurde nun doch der Lautsprecherwagen eingesetzt, um die Teilnehmer über die aktuelle Situation zu informieren. Transparente wurden ausgebreitet, Fahnen entrollt, Fackeln entzündet und der Kranz aufgesellt. Immer wieder wechselten sich nun die Reden von Udo Pastörs, Sebastian Schmidtke und Stefan Köster mit klassischer Musik ab. So führten die schätzungsweise 400 Teilnehmer, gleich einem Auge inmitten eines tobenden Sturmes, ihre Kundgebung durch. Während dieser Zeit kam es auch immer wieder zu Übergriffen auf Versammlungsteilnehmer Seitens der Polizei.

Gegen 22:30 Uhr öffnete sich plötzlich wie von Geisterhand und vollkommen freiwillig die Blockade in Richtung Lennéplatz / Tiergartenstraße und die Gruppe wurde ohne weiteren Kommentar durch die Polizeiführung, welche mittlerweile nicht mehr auffindbar war, zurückgeführt. Hierzu ist anzumerken, dass während der gesamten Zeit der Blockade verschiedene Anwälte und scheinbar Verantwortliche der Blockierer immer wieder in Verhandlung mit der Polizeiführung standen und offensichtlich verschiedene Pläne anhand einer Stadtkarte erläuterten, während die Interventionen von Seiten eines Rechtsanwaltes unsererseits an der grenzenlosen Arroganz Seitens des Einsatzleiters scheiterten. Ein abschließender Dank hat an dieser Stelle wohl den Sanitätern des Kameradschaftsdienstes zu gelten, die während der Zeit im Kessel 34 Verletzte durch Pfefferspray, 1 Kopfplatzwunde durch Flaschenwurf sowie 3 Prellungen durch Knüppeleinsatz behandeln mussten, wobei dies lediglich die bekannt gewordene Zahl an Verletzungen darstellt.

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